Botulinumtoxin-Therapie bei Funktionsstörungen der Harnblase

Infografik: Injektion von Botulinumtoxin A über ein Endoskop in die Blasenwand

Wenn Medikamente nicht ausreichend helfen

Funktionsstörungen der Harnblase können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Häufige Beschwerden sind starker Harndrang, ungewollter Urinverlust (Harninkontinenz), häufiges Wasserlassen oder Schwierigkeiten bei der vollständigen Blasenentleerung.

Ursachen können Erkrankungen des Nervensystems, Schädigungen des Rückenmarks oder andere neurologische Störungen sein. In manchen Fällen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache feststellen.

Eine bewährte Behandlungsmöglichkeit stellt die Botulinumtoxin-Therapie dar. Sie wird insbesondere dann eingesetzt, wenn konservative Maßnahmen oder Medikamente nicht ausreichend helfen. Ziel der Behandlung ist es, die Blasenfunktion zu verbessern, Beschwerden zu lindern und den Alltag der Betroffenen spürbar zu erleichtern.

Die Botulinumtoxin-Therapie ist ein Verfahren innerhalb der Inkontinenzbehandlung. Dort finden Sie einen Überblick über alle Formen der Harninkontinenz, die Diagnostik und die weiteren Therapiemöglichkeiten.

Wie wirkt Botulinumtoxin bei Blasenfunktionsstörungen?

Botulinumtoxin A wirkt gezielt auf die Nerven-Muskel-Verbindung und reduziert die übermäßige Aktivität bestimmter Muskeln. Bei einer überaktiven Harnblase führt dies dazu, dass sich der Blasenmuskel entspannt. Die Blase kann dadurch mehr Urin speichern, bevor Harndrang entsteht. Gleichzeitig können ungewollter Urinverlust und häufige Toilettengänge deutlich reduziert werden.

Bei bestimmten Entleerungsstörungen kann Botulinumtoxin auch im Bereich des Blasenschließmuskels eingesetzt werden. Dadurch wird die Muskelspannung verringert und das Wasserlassen erleichtert.

Die Wirkung setzt in der Regel innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen nach der Behandlung ein. Sie hält meist mehrere Monate an und lässt anschließend langsam nach. Bei Bedarf kann die Therapie wiederholt werden.

Für wen ist die Behandlung geeignet?

Die Botulinumtoxin-Therapie kommt bei verschiedenen Formen der Blasenfunktionsstörung infrage. Dazu gehören insbesondere:

  • Überaktive Harnblase mit starkem Harndrang
  • Dranginkontinenz
  • Neurogene Blasenfunktionsstörungen bei Erkrankungen des Nervensystems
  • Blasenstörungen nach Rückenmarksverletzungen
  • Funktionsstörungen bei Multipler Sklerose
  • Entleerungsstörungen durch eine erhöhte Spannung des Blasenschließmuskels

Ob die Behandlung für Sie geeignet ist, wird im Rahmen einer ausführlichen Untersuchung und Beratung individuell geprüft.

Wie läuft die Botulinumtoxin-Behandlung ab?

Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant oder kurzstationär. Über ein dünnes Endoskop, das durch die Harnröhre in die Blase eingeführt wird, injiziert die Ärztin oder der Arzt das Botulinumtoxin gezielt in die Blasenwand oder – je nach Erkrankung – in den Blasenschließmuskel.

Der Eingriff dauert meist nur wenige Minuten. In vielen Fällen erfolgt die Behandlung unter örtlicher Betäubung, manchmal auch in Kurznarkose. Nach dem Eingriff können die meisten Patientinnen und Patienten zeitnah nach Hause zurückkehren.

Da die Wirkung des Botulinumtoxins nicht dauerhaft anhält, kann nach einigen Monaten eine erneute Behandlung erforderlich werden. Die Häufigkeit der Wiederholung richtet sich nach dem individuellen Therapieerfolg und dem Wiederauftreten der Beschwerden.

Welche Vorteile bietet die Therapie?

Viele Betroffene profitieren deutlich von der Behandlung. Zu den häufigsten positiven Effekten zählen:

  • Verringerung von Harndrang und häufigem Wasserlassen
  • Reduktion von Inkontinenzepisoden
  • Verbesserung der Blasenspeicherfunktion
  • Erleichterung der Blasenentleerung bei bestimmten Störungen
  • Mehr Sicherheit und Lebensqualität im Alltag
  • Verbesserung von Schlaf und sozialer Teilhabe

Studien und langjährige Erfahrungen zeigen, dass die Therapie bei vielen Patientinnen und Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden führt. Dennoch kann das Ansprechen individuell unterschiedlich ausfallen. Bei etwa 20 Prozent der Behandelten bleibt der gewünschte Erfolg teilweise oder vollständig aus.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Die Botulinumtoxin-Therapie gilt als sichere und gut verträgliche Behandlungsmethode. Dennoch können – wie bei jedem medizinischen Eingriff – Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten.

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:

  • Leichte Schmerzen oder Brennen nach dem Eingriff
  • Vorübergehende Blutbeimengungen im Urin
  • Harnwegsinfektionen
  • Vorübergehende Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung
  • Vorübergehende Verstärkung einer bestehenden Inkontinenz

In einigen Fällen kann die Blasenmuskulatur nach der Behandlung so stark entspannt sein, dass die Blase nicht mehr vollständig entleert werden kann. Dann kann vorübergehend die regelmäßige Katheterisierung der Blase notwendig werden. Diese Situation ist meist zeitlich begrenzt und bildet sich mit nachlassender Wirkung des Medikaments wieder zurück.

Schwerwiegende Komplikationen wie Verletzungen von Nerven oder umliegenden Strukturen sind sehr selten. Allergische Reaktionen oder schwerwiegende unerwünschte Wirkungen treten nur in Ausnahmefällen auf.

Was sollten Sie vor und nach der Behandlung beachten?

Für eine sichere und erfolgreiche Therapie benötigen wir einige wichtige Informationen zu Ihrer Gesundheit. Bitte informieren Sie uns insbesondere über die Einnahme von Medikamenten, vor allem von blutverdünnenden Präparaten. Gegebenenfalls müssen diese vor dem Eingriff angepasst werden.

Nach der Behandlung empfehlen wir:

  • Ausreichend zu trinken
  • Auf mögliche Veränderungen beim Wasserlassen zu achten
  • Für 24 Stunden nicht aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen
  • Bei Fieber, starken Schmerzen oder Problemen bei der Blasenentleerung umgehend ärztlichen Kontakt aufzunehmen

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen dabei, den Behandlungserfolg zu beurteilen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu planen.

Unser Standort in Bochum

Das Urocentrum West ist eine eigenständige urologische Praxis in den Räumlichkeiten der Augusta-Kranken-Anstalt Bochum. Für weiterführende Untersuchungen und eine eventuelle stationäre Behandlung arbeiten wir eng mit der Klinik im selben Gebäude zusammen — für Sie bedeutet das kurze Wege ohne zusätzliche Anfahrt.

Individuelle Beratung und Behandlung

Jede Blasenfunktionsstörung ist anders. Deshalb legen wir großen Wert auf eine individuelle Diagnostik und persönliche Beratung. Gemeinsam besprechen wir die Ursachen Ihrer Beschwerden, die Erfolgsaussichten der Behandlung sowie mögliche Risiken und Alternativen.

Die Botulinumtoxin-Therapie kann für viele Patientinnen und Patienten eine wirksame Möglichkeit sein, Harndrang, Inkontinenz oder Entleerungsstörungen langfristig zu verbessern und die Lebensqualität deutlich zu steigern. Gerne beraten wir Sie in einem persönlichen Gespräch zu Ihren individuellen Behandlungsmöglichkeiten.

Ihre Ansprechpartnerin: Julia Behn, Fachärztin für Urologie.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Burkhard Ubrig, Facharzt für Urologie · Stand: 01.08.2026

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